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Bakterielle Endokarditis (BE)

Das Endokard -die Herzinnenhaut- kleidet die Innenseite des Herzmuskels und die Klappen aus wie eine Tapete. Bei Herzfehlern, die eine turbulente Blutströmung verursachen, kann diese Haut leicht beschädigt werden und bietet damit Angriffsfläche für bestimmte Bakterien, sich dort festzusetzen. Diese Bakterien befinden sich üblicherweise im Mund, Darm oder Harnweg.

Endokarditis ist eine schwerwiegende Komplikation auch leichterer Herzfehler, die eine langwierige Behandlung erfordert und meistens eine Schädigung des Herzens verursacht oder sogar zum Tod führen kann. BE kann andererseits mit relativ einfachen Mitteln vorgebeugt werden.

BE entstehtdadurch, daß sich Bakterien am Rand eines Herzdefektes oder an einer Herzklappe einnisten. Diese Bakterien gelangen meist durch Zahnbehandlungen oder auch Eingriffe in Darm- oder Harnwegstrakt in die Blutbahn. Wenn sich diese Bakterien einmal auf der Herzinnenhaut festgesetzt haben, produzieren sie Partikel, die zu Lunge, Gehirn, Nieren und Haut wandern können. Die fortschreitende Infektion verursacht ernste Schäden an der Klappe, an der sich die Bakterien festgesetzt haben. Die Symptome von BE sind unterschiedlich, aber anhaltendes Fieber (länger als zwei bis drei Tage) ohne offensichtlichen Grund ist das wichtigste Anzeichen und sollte bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern immer untersucht werden. Andere Symptome sind Appetitlosigkeit, Schwäche, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Hautauschlag. Insbesondere, wenn diese Anzeichen nach Zahnbehandlungen oder Eingriffen in Darm oder Harnwegen auftreten, sollte an Endokarditis gedacht werden.

Durch Blutuntersuchungen können Entzündungszeichen gefunden werden. Endgültige Klarheit bringt eine Blutkultur. Hierzu wird aus einer Vene eine Blutprobe entnommen und mit einer Nährlösung angesetzt. Nach ca. 24 Stunden können die Erreger nachgewiesen werden.

Die Vorbeugung vor Endokarditis besteht in der Gabe von Antibiotika vor und nach Eingriffen, die Bakterien in den Blutstrom bringen können, insbesondere chirurgische Eingriffe im Mund- und Rachenraum sowie Untersuchungen oder Eingriffe am Magendarmtrakt und an den Harnwegen. Risikopatienten erhalten in Deutschland einen Endokarditisausweis, in dem die notwendigen Dosen benannt sind.

BE-Ausweis Vorderseite

BE-Ausweis Rueckseite

Die erkannte Endokarditis wird mit intravenösen Gaben bestimmter Antibiotika, abhängig von den Ergebnissen der Blutkulturen, behandelt. Nach 4 bis 6 Wochen erholen sich die meisten Patienten von dieser Krankheit. Es besteht jedoch ein hohes Risiko von bleibenden Verschlechterungen des Herzens, insbesondere der Herzklappen, sodaß der Verbeugung immer der Vorzug vor der Behandlung zu geben ist.


Zum Thema Endokarditisprophylaxe hat uns Dr. Cristoph Irtel von Brenndorf freundlicherweise sein Merkblatt zur Verfügung gestellt.
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© 1997  Bernd Asselborn