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Operationen am offenen Herzen

Es ist offensichtlich, daß ein Überleben unmöglich ist, wenn das Herz stoppt und der Kreislauf stillsteht.

Genau das war lange das zentrale Problem für die Entwicklung der Herzchirurgie. Um das Herz zu öffnen und in seinem Inneren zu operieren müssen die Chirurgen das Herz für die Dauer der Operation anhalten. Wie kann dabei die Kreislauffunktion aufrecht erhalten bleiben ?

Diese Frage stellten sich viele große Wissenschaftler im frühen 20. Jahrhundert. Für manche wurde die Lösung dieses Problems zur Lebensaufgabe. Es gab mehrere Lösungsansätze. Einige führten in Sackgassen, aber glücklicherweise waren einige von Erfolg gekrönt.

Eine der innovativsten und phantasievollsten Ideen wurde vorgestellt von Dr. WALTON C. LILLEHEI, dem Vater der modernen Herzchirurgie. Dr. Lillehei dachte daran, das Herz eines Elternteils zu benutzen um den Blutfluss im Körper des Kindes aufrecht zu erhalten, solange es geöffnet und operiert wurde. 1953 führte er die erste Serie von Operationen durch, die diese Technik -Kontrollierte Kreuzzirkulation genannt- nutzten. Das sieben Jahre alte Kind, das als erstes operiert wurde, lebte noch 1992, 39 Jahre später !

Um den Mut und die Kühnheit Dr. Lilleheis richtig zu würdigen, bedenken sie, welches Risiko er einging. Wäre diese Operation fehlgeschlagen, hätte es zum ersten Mal in der Geschichte der Medizin einen Eingriff mit 200 % Sterblichkeit bedeutet. Denn nicht nur der kleine Patient, auch sein Vater war gefährdet. Glücklicherweise war die Operation ein Erfolg und die Entwicklung der Operationen am offenen Herzen begann.

Obwohl die Kontrollierte Kreuzzirkulation ein großer Erfolg war, erschien vielen Ärzten das Risiko unakzeptabel hoch. Sie dachten weiter über eine Maschine nach, die die Funktionen von Herz und Lunge während der Operation übernehmen sollte. Der erste dessen Bemühungen in dieser Richtung Erfolg hatten, war Dr. JOHN GIBBON Jr. Dr. Gibbon benutzte 1953 erstmalig eine künstliche HERZ- LUNGEN-MASCHINE, während der Operation am offenen Herzen. Er schloss ein "Loch" zwischen den Vorkammern -genannt Atrium Septum Defekt- einer jungen Frau mit grandiosem Erfolg. Durch diese Entwicklung wurde die Technik der Operationen am offenen Herzen etabliert. Weitere Entwicklungen erschienen in einer erstaunlichen Geschwindigkeit.

Wie der Name schon sagt, ersetzt die Herz-Lungen-Maschine die Funktionen des Herzens und der Lunge. Die Aufgabe des Herzens, das Blut durch den Körper zu befördern, übernimmt eine Pumpe, die entweder als Roller- oder Zentrifugalpumpe konstruiert ist. Da das Herz stillsteht und kein Blut durch die Lungen gepumpt wird, muss auch die Aufgabe der Sauerstoffversorgung von der Maschine übernommen werden. Hierzu besitzt die Maschine einen sogennanten Oxygenator, der das Blut mit Sauerstoff versorgt und die Abfallgase entnimmt.

HL-Masch. Funktion

Dieses Bild zeigt in Diagrammform den Kreislauf der Herz-Lungen- Maschine. Zwei Venenkanülen (in der oberen und unteren Hohlvene) -blau eingezeichnet- führen das verbrauchte Blut zum Oxygenator. Eine Rollerpumpe befördert das sauerstoffangereicherte Blut durch eine Arterienkanüle zur Leiste und damit zurück in den Körper

Für diese Art der Zirkulation muß das Blut zuerst mit Hilfe eines speziellen Medikaments (Heparin) verdünnt werden. Im Bild nicht eingezeichnet sind die Blutentschäumungsvorrichtung, in dem kleinste Gasbläschen und Fremdkörper zurückgehalten werden und der Wärmetauscher. Mit Hilfe des Wärmetauschers kann die Bluttemperatur des Patienten zu Beginn der Operation erniedrigt werden. Durch Absenken der Körpertemperatur auf 30 º C wird der Sauerstoffbedarf des Patienten auf die Hälfte reduziert. Dadurch kann die Dauer des Herzstillstandes soweit ausgedehnt werden, daß auch umfangreiche Operationen am Herzen sicher durchführbar sind. Am Ende der Operation wird die Körpertemperatur wieder normalisiert und die Blutverdünnung mit einem anderen Medikament (Protamin) wieder aufgehoben. Die Maschine wird langsam zurückgefahren und Schritt für Schritt nimmt das frisch operierte Herz seine Arbeit wieder auf. Wenn es stabil arbeitet, werden die Herz-Lungen-Maschine ausgeschaltet und die Kanülen entfernt.

Solche Operationen werden von einem Team von Spezialisten durchgeführt. Dem Chirurgenteam stehen die Anästhesisten zur Seite. Sie überwachen die Tiefe der Betäubung und wichtige Körperfunktionen. Das Team der Herz-Lungen-Maschine sorgt für die ständige Aufrechterhaltung des künstlichen Kreislaufs. Die OP-Schwestern assistieren den Teams. Immer häufiger werden auch die Kardiologen (die nicht operierenden Herzspezialisten) zu den Herzoperationen hinzugezogen.


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© 1997  Bernd Asselborn